Gruppenarbeit mit Maedchen

Aus Soziale Arbeit heute

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Nach den negativen Ausführungen will ich nun ein Projekt vorstellen, das mich nachhaltig begeistert. Etwa 80 Mädchen aus mehreren vorher existierenden Cliquen wurden motiviert, gemeinsam Missstände und Höhepunkte ihres Stadtteils zu identifizieren, fotografisch und filmerisch zu dokumentieren und in einem Mädchenstadtplan festzuhalten. Anschließend organisierten sie eine Stadtteilkonferenz und setzten dort ihre Interessen gegenüber geladenen Repräsentanten aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft durch. Verschiedene Rechtsnormen werden von diesem umfangreichen Projekt der Jugendhilfe abgedeckt: Es geht um positive kinderfreundliche Lebens- und Umweltbedingungen, sowie um eine sozial- und eigenverantwortliche Persönlichkeit (§1 KJHG). Die Beteiligung von Jugendlichen an den sie betreffenden gesellschaftlichen Bedingungen (§8 KJHG) wurde ermöglich und dabei der besonderen Benachteiligungen junger Mädchen (§9 KJHG) in den Bereichen der Gemeinwesen- und Jugendarbeit (§11 KJHG) Rechnung getragen. Letztendlich stellen natürlich §§1,3 GG das rechtliche Fundament aber auch Anforderungen an die Beteiligung von Bewohnern in der Stadtentwicklung nach BAUGB. Zunächst soll jetzt eine Selbstdarstellung der beiden Gruppenleiterinnen auszugsweise dokumentiert werden:<ref>Kristina Jander und Stefanie Kägeler 1999 in: standpunkt:sozial 3/99. Beide sind Diplom-Sozialpädagoginnen und Absolventinnen der Fachhochschule Hamburg; sie haben im Rahmen des Stipendiensonderprogramms ‚Innovation über Köpfe’ der Fachhochschule Hamburg, das Projekt ‚girlzone - Mädchen mischen mit im Stadtteil’ entwickelt, geplant und durchgeführt.</ref>





 
Grafik statt ergänzen, über Beteiligung von Jugend ??? Wo??? Von Wem??? Bild vom Plakat
 

„girlzone - Mädchen mischen mit im Stadtteil - Methoden und Voraussetzungen für ein Partizipationsprojekt mit Mädchen

Über ein Jahr lang haben ca. 80 Mädchen aus acht verschiedenen Mädchengruppen ihren Stadtteil 'unter die Lupe' genommen und einen Stadtplan für Mädchen entwickelt. Auf einer Mädchenkonferenz formulierten die Teilnehmerinnen ihre Forderungen an einen 'mädchentauglichen' Stadtteil und trugen selbst zu Veränderungsmaßnahmen im Stadtteil bei. In diesem Partizipationsprojekt für Mädchen im Alter von 12-18 Jahren sollten in modellhafter Weise Konzepte und Methoden entwickelt werden, die den Teilnehmerinnen ermöglichen, sich intensiv mit den Bedingungen in 'ihren' Stadtteilen zu befassen und diese in Bezug zu den eigenen Formen der Nutzung und Aneignung von öffentlichen und halböffentlichen Räumen zu setzen. Die beteiligten Mädchen sollten die Möglichkeit erhalten, eigene Wünsche und Bedürfnisse an 'ihren' Stadtteil wahrzunehmen und zu formulieren und sich als Stadtteilexpertinnen für dessen Veränderung und Gestaltung einzusetzen. (...)

Hintergründe:

Kinder und Jugendliche haben ein Recht darauf, an allen ihre Lebenswelt betreffenden Fragen und Entscheidungen beteiligt zu werden. Dieses bezieht sich insbesondere auf die Gestaltung von öffentlichen und halböffentlichen Räumen. (...) Während Jungen ihre Umgebung häufig durch 'Herumstromern' selbsttätig erkunden und erforschen, bewegen sich Mädchen eher zielgerichtet und vorausgeplant. Sie haben wenig öffentliche Treffpunkte wie z. B. in Parks oder auf öffentlichen Plätzen und suchen sich selten ihre Aktivität erst auf der Straße. Der Straßenraum wird sich von ihnen weniger aktiv und selbstverständlich angeeignet. Demzufolge sind Mädchen im Straßenbild weniger präsent als Jungen. Durch eine Ungleichverteilung von Hausarbeit und psychosozialen Reproduktionsarbeiten werden Mädchen überproportional im häuslichen Bereich eingespannt, so dass sie weniger Zeit und Möglichkeiten haben, sich Räume anzueignen und öffentliches Leben zu erfahren. (...) Für Mädchen bedeutet es Normalität, in der Öffentlichkeit taxiert, angerempelt, verbal 'angemacht' und beiseite gedrängt zu werden. Diese Erfahrungen können dazu führen, dass Mädchen auch selbst solche Verhaltensweisen entwickeln, um sich öffentlich Räume anzueignen. In der Regel ziehen sie sich jedoch aus Angst vor sexistischer Belästigung und sexueller Gewalt aus diesen zurück. Erst gemeinsam mit vielen erfahren sie in öffentlichen Räumen eine gewisse Sicherheit. Auch im Freizeitverhalten von Jungen und Mädchen lassen sich erhebliche Unterschiede feststellen, wenngleich sich ihre Freizeitinteressen weitgehend decken. Halböffentliche Räume, sog. institutionalisierte Angebote, werden vor allem im kulturellen und kreativen Bereich verstärkt von Mädchen in Anspruch genommen. Jungen hingegen sind in erster Linie bei Sportangeboten und bei Angeboten der offenen Jugendarbeit, wie etwa in Häusern der Jugend und in Jugendclubs, anzutreffen. Mädchen sind dort oftmals unterrepräsentiert oder nehmen die Rolle der Zuschauerin und des 'attraktiven Beiwerks' ein. (...)

Projektbeschreibung:

Projektphase 1: Stadtteilrundgänge und Mädchenstadtplan:

Zu Beginn des Projektes wurden von jeder Mädchengruppe Stadtteilrundgänge durchgeführt, auf denen die Teilnehmerinnen die für sie positiven und negativen Aspekte ‚ihres' Stadtteils mit Hilfe unterschiedlicher Medien, wie z.B. Video, Foto und anhand von Beurteilungsbögen dokumentierten. Aus den gesammelten Eindrücken und Bewertungen entstand in Zusammenarbeit mit den beteiligten Mädchen der girlzone-Mädchenstadtplan auf dem alle wichtigen Plätze und Adressen für Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren markiert sind. In einer kleinen Begleitbroschüre wurde außerdem alles Wissenswerte über die Stadtteile zusammengefasst: das Spektrum reicht von Beratung über Musik und Sport bis zu Shopping-Tips.

Projektphase 2: Die Mädchenkonferenz:

Während des Projektes fanden die Teilnehmerinnen heraus, dass es auch eine Reihe von Aspekten... gibt, die ihre Aktivitäten einschränken. Die Kritik der Mädchen richtet sich insbesondere gegen die mangelnde Beleuchtung vieler Grünanlagen und Parks. Außerdem wünschen sie sich u.a. mehr Raum für Mädchenaktivitäten in den Bereichen Sport und Musik, sowie eine Stadtteildisco für Jugendliche, die Verbesserung einiger Busverbindungen und ein attraktiver ausgestattetes Schwimmbad. Um ihre Kritik und Verbesserungsvorschläge an die zuständigen Fachleute aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung zu richten, veranstalteten die Mädchen... 1999 die erste Hamburger Mädchenkonferenz. Als Gäste anwesend waren u.a. VertreterInnen des Ortsausschusses, des Jugendhilfeausschusses, des Jugendamtes und der Gartenbauabteilung des Bezirks, sowie aller Bezirksfraktionen, der Deutschen Telekom, des Hamburger Verkehrsverbunds und der Presse. In mehreren Talkrunden stellten die Mädchen ausgewählte Wünsche und Forderungen an einen 'mädchentauglichen' Stadtteil vor und moderierten die Konferenz auch selbst. Die insgesamt rund achtzig jugendlichen und erwachsenen TeilnehmerInnen der Konferenz diskutierten diese Forderungen und Wünsche engagiert und lebhaft. Am Ende standen Zusagen, die Forderungen der Mädchen in den entsprechenden Gremien weiterzuverfolgen und Verabredungen, für weitere Treffen um über Möglichkeiten und Formen der Umsetzung zu reden.

Projektphase 3: Veränderungsmaßnahmen im Stadtteil unter Beteiligung der Mädchen:

In der Zeit nach der Konferenz konkretisierten die Mädchen in Arbeitsgruppen ihre Vorstellungen bzgl. der Veränderungsmaßnahmen im Stadtteil und Möglichkeiten ihrer eigenen Beteiligung daran. Hierfür besuchten sie beispielhafte Orte und Einrichtungen, befragten andere Mädchen zu ihren Wünschen und Vorstellungen und verhandelten in Einzelgesprächen auch weiterhin mit den Verantwortlichen über die Umsetzung ihrer Forderungen. Auf einem vorläufigen Ergebnistermin -zwei Monate nach der Konferenz- gab es von den beteiligten Einrichtungen und Institutionen bereits Teilzusagen für konkrete Veränderungsmaßnahmen. So sagte bsp. die Umweltbehörde zu, einen von den Mädchen stark frequentierten Weg, mit besserer Beleuchtung auszustatten. Zwei zusätzliche Lampen wurden bereits aufgestellt. Der Hamburger erklärte sich bereit, eine Busanbindung zumindest in den Abendstunden zu verbessern. Außerdem gab es bereits mehrere Treffen für eine, von Mädchen mitorganisierte Stadtteildisco...

KooperationspartnerInnen:

Das Projekt wurde in Kooperation mit pädagogischen Einrichtungen aus dem Stadtteil z.B. einer Schule, einem Mädchentreff, einem Haus der Jugend, einem Spielhaus, einem Stadtteilprojekt und einer kirchlichen Jugendeinrichtung durchgeführt. Alle ProjektpartnerInnen waren zum Projektzeitpunkt in der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen tätig und verfügten bereits bei Beginn des Projektes über einen Schwerpunkt Mädchenarbeit...





Produkte, Ergebnisse und Resonanzen:

Konkrete Produkte der ersten Phase dieses Partizipationsprojektes sind der Mädchenstadtplan und das Begleitheft, welche einen Überblick über die Angebotsstruktur für Mädchen... geben. Dies ermöglicht Mädchen, sich geplant und zielgerichtet in diesen Stadtteilen zu bewegen, Neues kennenzulernen und den eigenen Bewegungsradius zu erweitern. Durch die Organisation einer Mädchenkonferenz schafften die Projektteilnehmerinnen sich selbst ein Forum, in welchem sie als Expertinnen für ihre Lebenswelt auftraten, ihre Vorstellungen und Bedürfnisse an einen 'mädchentauglichen' Stadtteil öffentlich artikulierten und die Erfahrung machten, dass sie mit ihren Sichtweisen ernst genommen werden können. Ihr Engagement mündete in konkrete Veränderungsmaßnahmen im Stadtteil, so dass die Teilnehmerinnen auch erfahren konnten, dass sie die Kompetenz besitzen zu Veränderungen in ihrer Lebenswelt beizutragen. (...) Die Teilnehmerinnen mussten (aber) auch die Erfahrung machen, dass ihnen durch bürokratische Hindernisse, mangelnde Ressourcen und betriebswirtschaftliche Argumentationen bei der Umsetzung ihrer Forderungen und Verbesserungsvorschläge starke Grenzen gesetzt werden und dass es Engagement, Kontinuität und Beharrlichkeit erfordert sich für die eigenen Interessen einzusetzen... Durch die Zusammenarbeit in diesem Projekt ist es zu neuen Kontakten zwischen Mädchengruppen und -cliquen gekommen... Auch über den Kreis der Projektteilnehmerinnen hinaus ist girlzone bei den Jugendlichen im Stadtteil zum Begriff geworden und viele von diesen verfolgten die Initiative der girlzone-Mädchen mit Respekt und Aufmerksamkeit. Nach ca. 1 1/2 jähriger Projektteilnahme hat die Motivation und das Engagement der meisten Mädchen merklich abgenommen und andere Lebensinhalte wie der Schulabschluss, die Berufswahl oder Freundschaften sind in den Vordergrund gerückt. Das hat insbesondere in der letzten Projektphase dazu geführt, dass ein erheblicher 'Input' von Seiten der Pädagoginnen nötig war, um die Umsetzung der Veränderungsvorschläge weiterzuverfolgen. Dennoch haben viele Mädchen den Wunsch geäußert und das Interesse gezeigt, sich auch weiterhin gemeinsam für ihre Belange in 'ihren' Stadtteilen einzusetzen. (...)

Angewandte Methoden:

Wenn wir im folgenden die Methoden beschreiben und reflektieren, mit denen während des Projektes gearbeitet wurde, wollen wir zuvor darauf hinweisen, dass diese sich erst im Verlauf des Projektes in einem kooperativen Prozess mit den Mädchen herausgebildet haben. Die Ausgangssituationen, Bedürfnisse und Sichtweisen der beteiligten Mädchen, sowie der Gegenstand der Beteiligung waren die zentralen Bezugspunkte in diesem Prozess. Den entwickelten Methoden liegt insofern kein starres und geschlossenes, sondern ein offenes und experimentierendes Verständnis zugrunde. Sie sollen nicht als Vorgaben, sondern lediglich als Orientierungshilfe für andere Beteiligungsprojekte mit Mädchen verstanden werden.

Projekt als Form der Beteiligung:

Um den Beteiligungsprozess offen und flexibel zu gestalten und den Beteiligungscharakter nicht von vornherein festzulegen, wurde mit den Mädchen im Rahmen eines Projektes gearbeitet. Dieses ermöglichte den Teilnehmerinnen sowohl die Projektinhalte, als auch die Art und Weise, in der sie sich für ihre Veränderungswünsche einsetzen wollten, selbst zu bestimmen. Es blieb ihnen überlassen, ob sie ihren Belangen bsp. in Form eines kontinuierlich arbeitenden Mitsprachegremiums oder einer einmaligen öffentlichkeitswirksamen Aktion Nachdruck verleihen wollten. So ist z.B. die Idee der Mädchenkonferenz erst im Laufe des Projektes entstanden. Es wurde kein zeitliches Ende des Projektes festgelegt, um den Projektteilnehmerinnen die Entscheidung darüber zu belassen, ihre Initiative auch über die Laufzeit des Modellvorhabens hinaus -mit der Unterstützung von Einrichtungen aus den Stadtteilen- weiterzuführen...

Arbeiten mit bestehenden Mädchengruppen und -cliquen:

Um Mädchen kennenzulernen und für die Teilnahme an dem Projekt zu gewinnen, erwies es sich als sinnvoll, dorthin zu gehen, wo sich diese in ihrer Freizeit ohnehin aufhalten oder es für sie bereits eine Anbindung und Gewöhnung an die Projekt- oder GA mit Mädchen gibt. Es wurden sowohl eine reine Mädcheneinrichtung, als auch verschiedene koedukative Einrichtungen, in denen ein Mädchennachmittag oder eine Mädchengruppe existiert, für das Projekt angesprochen. Die Anbindung der Projekte an bestehende Mädchengruppen oder Mädchennachmittage hatte den Vorteil, dass sich die Projektteilnehmerinnen bereits untereinander kannten, sicher fühlten und Lust hatten gemeinsam bei einem Projekt mitzumachen. Aus Erfahrungen mit anderen Projekten war bekannt, dass Mädchen oftmals schwer dazu zu bewegen sind, über ihren Freundinnen- oder Bekanntenkreis hinaus mit anderen Mädchen zusammenzuarbeiten. Durch die Arbeit in Einzelgruppen bildete die eigene Mädchengruppe oder -clique für die Mädchen zunächst den Bezugsrahmen im Projekt. Auf dieser Grundlage waren viele Mädchen zu einem späteren Zeitpunkt des Projektes auch bereit mit anderen Mädchengruppen zusammenzuarbeiten. Die Arbeit in kleinen überschaubaren Gruppen ermöglichte außerdem den Einsatz einer Vielzahl von Medien und ein intensives Eingehen auf die Bedürfnisse der Teilnehmerinnen.

Stadtteilrundgänge planen und Neues kennenlernen:

Um das Bedürfnis vieler Mädchen nach zielgerichteter und geplanter Bewegung aufzugreifen, wurde gemeinsam mit den Mädchen vor jedem Stadtteilrundgang eine Route mit allen Orten und Plätzen festgelegt, die sie zeigen und dokumentieren wollten. Außerdem wurde mit einigen Gruppe zusätzlich der Besuch eines, für die Gruppe bisher unbekannten, Ortes eingeplant. Einige Mädchen besuchten bsp. eine Einrichtung in der Mädchen und Jungen Übungsräume, Musikanlagen und Instrumente selbständig nutzen können. Andere Gruppen besichtigten eine Einrichtung zur Berufsvorbereitung für Mädchen. (...)

Engagiertes Begleiten der Mädchen:

Während der Stadtteilrundgänge wurden die Projektteilnehmerinnen von Pädagoginnen begleitet. Die Mädchen führten diese durch 'ihre' Stadtteile und zeigten Plätze und Orte, an denen sie ihre Freizeit verbringen. Das Interesse der Pädagoginnen an den Treffpunkten der Mädchen und die Möglichkeit der Mädchen, diese zeigen zu können, motivierte die Projektteilnehmerinnen besonders. Hierbei war es wichtig, dass sich die begleitenden Personen mit eigenen Bewertungen und Beurteilungen zurückhielten. Während des gesamten Projektverlaufes spielte dieses engagierte und interessierte Begleiten der Mädchen eine zentrale Rolle und unterstützte sie bei den zum Teil langwierigen und abstrakten Prozessen der Verfolgung und Umsetzung ihrer Forderungen.





Mädchen als Expertinnen begreifen:

Die Projektteilnehmerinnen wurden als Expertinnen für ihren Stadtteil angesprochen. Dieses konnte den Mädchen das Gefühl vermitteln, dass das Erstellen eines Mädchenstadtplans sowie das Entwickeln einer 'mädchentauglichen' Stadtteilplanung nur unter ihrer Mitwirkung möglich ist. Das Interesse an ihrem Expertinnenwissen war für sie von besonderer Bedeutung und bot einen Anreiz, ihre Umgebung bewusster und kritischer wahrzunehmen. Die Mädchen als Expertinnen für ihren Stadtteil zu begreifen barg auch Chancen für die Kooperationspartner aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Diese erhielten die Möglichkeit, den Stadtteil aus der Sicht der Projektteilnehmerinnen kennenzulernen und deren Anregungen in die Planung ihrer Angebotsstruktur einzubeziehen.

Vielfältiger Medieneinsatz:

Insbesondere in der ersten Projektphase setzten die Teilnehmerinnen verschiedene Medien wie eine Videokamera, Fotoapparate und ein Audioaufnahmegerät zur Dokumentation und Beurteilung der Stadtteile ein. Außerdem hielten sie die Beurteilung 'ihrer' Stadtteile schriftlich auf Beurteilungsbögen fest. Der Einsatz der Videokamera oder des Aufnahmegerätes wurde je nach Interesse der Mädchen und nach Gruppengröße individuell abgesprochen. Während der Vorbereitungen für die Mädchenkonferenz wurde die Videokamera auch verwendet, um den Ablauf der Konferenz und die Diskussion über Forderungen zu üben und zu reflektieren. Der Umgang mit den Medien, insbesondere mit Foto und Video war bei Mädchen ausgesprochen beliebt, stellte für sie einen besonderen Reiz dar und konnte dazu beitragen, den Projektverlauf interessant und abwechslungsreich zu gestalten. Die Mädchen hatten über den vielfältigen Mediengebrauch die Möglichkeit, sich auf kreative Weise mit der Umgebung auseinanderzusetzen und Sichtweisen und Meinungen auf vielfältige - auch nonverbale - Weise darzustellen. Gerade der Umgang mit der Videokamera konnte den Mädchen einen Zuwachs an Selbstwertgefühl vermitteln und sie ermutigen, sich mit für sie unbekannten Dingen auseinanderzusetzen.

Arbeiten mit kreativen Methoden:

Im Hinblick auf das Ziel, Mädchen an der Planung 'ihres' Stadtteils zu beteiligen, erwies es sich als notwendig, den Prozess der Kritikäußerung und Ideenfindung besonders zu unterstützen. Für die meisten Projektteilnehmerinnen war es ungewohnt, Kritik und Verbesserungsvorschläge zu formulieren. Für viele war es nur schwer vorstellbar, Einfluss auf die Gestaltung ihrer Lebenswelt nehmen und Gegebenheiten in 'ihrem' Stadtteil verändern zu können. Durch den Einsatz von kreativen Methoden wie bsp. einer Phantasiereise oder eines Rollenspiels konnten die Mädchen darin angeregt werden, Ideen und Einfälle für die Veränderung der Stadtteile zu entwickeln und darzustellen.

Das Sprecherinnenprinzip:

Die an der Erstellung des Stadtplans beteiligten Mädchen wählten zwei bis drei Sprecherinnen pro Gruppe, die sich regelmäßig trafen um die Mädchenkonferenz vorzubereiten. Die Sprecherinnen sollten als Delegierte die jeweiligen Ergebnisse der Treffen, sowie die neuesten Informationen zum Projektverlauf in die Gruppen zurücktragen. Dieses Sprecherinnenprinzip bewährte sich insofern, als dass die delegierten Mädchen gleichzeitig auch die engagiertesten der jeweiligen Gruppen waren und sich mit viel Einsatzbereitschaft der Vorbereitung der Konferenz und der Verfolgung der jeweiligen Forderungen widmeten. Andererseits schloss dieses Vorgehen auch Mädchen von der Organisation aus und entband sie aus der Verantwortung für das Projekt. Dieses wurde dadurch verstärkt, dass der Rückfluss der Informationen aus den Sprecherinnentreffen oft nicht klappte. Im Verlauf des Projektes haben die Sprecherinnen deshalb ihre Treffen wieder für alle Mädchen zugänglich gemacht.

Kontinuität im Projektverlauf und im Kontakt zu den Mädchen:

Die Projektlaufzeit von mehr als 1 1/2 Jahren erforderte ein hohes Maß an Kontinuität und Motivation seitens der Projektteilnehmerinnen. Dies konnte insbesondere in Projektphasen, in denen die Teilnehmerinnen selbst nicht aktiv beteiligt waren nur durch regelmäßigen Kontakt zu den Mädchen gewährleistet werden. Während des girlzone- Projektes konnten solche 'Durststrecken' durch regelmäßige Besuche bei den Mädchen, Einladungen zu Video- oder Fotosessions oder durch Briefe an jede Teilnehmerin, mit kurzen Infos zum Stand des Projekts, überbrückt werden.

Professionelle Gestaltung von Plan und Heft:

Bei der Gestaltung des Mädchenstadtplans hatten die Projektteilnehmerinnen die Möglichkeit, ihre Vorstellungen mit Hilfe einer Grafikerin umzusetzen. Das professionelle 'Outfit' von Plan und Heft trug zu ihrer Identifikation mit dem Projekt bei.

Voraussetzungen und Prinzipien für Beteiligungsprozesse:

Kinder und Jugendliche gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen:

(...) Die Möglichkeiten und Formen, wie Mädchen und Jungen insbesondere öffentliche und halböffentliche Räume für sich beanspruchen und diese mitgestalten können bestimmen wesentlich über ihre Möglichkeiten und Chancen zur gesellschaftlichen Teilhabe und Mitgestaltung. Durch Kommerzialisierung und Privatisierung von öffentlichen und halböffentlichen Räumen bleibt Kindern und Jugendlichen die Aneignung dieser Räume jedoch in weiten Teilen verwehrt. Eine zentrale Aufgabe der Kinder- und Jugendarbeit sollte es daher sein, Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen, Räume für sich zu beanspruchen, diese in ihrem Sinne zu nutzen und zu gestalten und sie so darin zu unterstützen, ihr Recht auf gesellschaftliche Teilhabe zu verwirklichen. (...) So gesehen ist Partizipation nicht nur als angewandte Methode, sondern als politischen Einmischung zu verstehen.

Beteiligung darf keine 'Eintagsfliege' bleiben:

Um Beteiligung von Jungen und Mädchen kontinuierlich und in allen für sie bedeutsamen Bereichen zu fördern und zu ermöglichen, müssen innerhalb von Einrichtungen und Institutionen transparente Strukturen geschaffen werden, die für die Jugendlichen Möglichkeiten der Mitsprache und Entscheidungsbeteiligung bieten. Hierzu gehören neben Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit, Schulen, Sportvereine etc. auch Politik und Verwaltungsgremien z.B. der Jugendhilfeplanung und Stadtplanung. Beteiligung darf nicht eine einmalige Erfahrung bleiben, sondern muss in den (pädagogischen) Alltag übergehen. Dabei ist zu beachten, dass das Schaffen von Beteiligungsprojekten kein Ersatz für alltägliche Beteiligungsmöglichkeiten darstellen kann.

Mädchen und Jungen bestimmen, wo es lang geht:

Bei der Entwicklung von Beteiligungsprojekten müssen die unterschiedlichen Bedürfnisse, Sichtweisen und Vorstellungen der Jugendlichen wahrgenommen werden und die Grundlage für die Planung und Durchführung bilden. Dieses bezieht sich sowohl auf die Ziele und Inhalte eines Beteiligungsprozesses, als auch auf die Wahl der Beteiligungsform und den Projektverlauf. (...) Ein Beteiligungsprojekt sollte weitestgehend frei von Vorgaben gehalten werden und der Verlauf von den Jugendlichen selbst bestimmt werden können. In dem Projekt haben wir die Erfahrung gemacht, dass diese Offenheit vielfach in einem Spannungsverhältnis zu den Notwendigkeiten des Projektes gestanden hat. Gerade in Phasen der Projektstagnation bestand die Gefahr, den Mädchen eigene Wertvorstellungen und Ideen überzustülpen, um eine Weiterführung des Projektes sicherzustellen. Wir denken jedoch, dass eine Stagnation im Projektverlauf vielmehr Anlass dazu geben sollte, den Weg und die Form daraufhin zu überprüfen, ob sie den Projektteilnehmerinnen noch entsprechen.

Das eigene Denken und Handeln in Frage stellen (lassen):

Partizipation ist ein Prozess, auf den alle Beteiligten sich einlassen müssen. Hierzu gehört auch die Bereitschaft, eigene Wertvorstellungen und Handlungsmuster nicht einfach zu reproduzieren, sondern zu hinterfragen und hinterfragen zu lassen. Kinder und Jugendliche an Fragen, die ihre Lebenswelt betreffen, zu beteiligen, erfordert ein Umdenken und Abweichen von 'gewohnten Wegen'. Sich auf die Vorstellungen und Wünsche der Jugendlichen einzulassen und von deren Kreativität zu partizipieren, führt häufig zu unkonventionellen -vielleicht auch unbequemen- Lösungen, von denen letztendlich jedoch nicht nur die Jugendlichen Nutzen ziehen können. (...)"

Die Vorstellung des Projektes spricht weitestgehend für sich; einige Akzente will ich trotzdem noch einmal herausgreifen: Auch wenn zum Schluss des Projektes der ‚Input' der Gruppenleiterinnen gesteigert werden musste, um die Motivation der Teilnehmerinnen zu stabilisieren, beeindruckt das Projekt besonders dadurch, so viele Teilnehmerinnen so lange bei der Stange gehalten zu haben. Wenn dies trotz des recht abstrakten Themas ‚einen Stadtplan für Mädchen machen' oder ‚eine Mädchenkonferenz durchführen' gelang, wird dies v.a. an fünf Punkten gelegen haben. Daran,

1. dass alle Mädchen in dem breiten komplexen Projekt Nischen gefunden haben, sich zu profilieren: Das Projekt war so komplex angelegt, dass alle Teilnehmerinnen punktuelle nacheinander oder sogar parallel tragende Aufgaben übernehmen konnten. Das Projekt konnte nur arbeitsteilig bewältigt werden; d.h. dass alle Teilnehmerinnen aufeinander angewiesen waren und der eigene Erfolg jeweils davon abhing, ob andere an anderer Stelle ihre Qualitäten einsetzten. Selbst jenen, die auf der Konferenz vor Mikrofon und den Erwachsenen geredet haben, war klar, dass ihr persönlicher Erfolg darauf basiert, dass andere die Veranstaltung organisiert, Pressemitteilungen geschrieben, Einladungen gestaltet und verteilt haben, die Lautsprecher- und Lichtanlage sachgerecht bedient wird, das begleitende Kulturprogramm mitreißt und die vorgetragenen Sachverhalte richtig recherchiert wurden... So war die Bedeutung einer jeden erkennbar, anerkannt oder konnte wenigstens schnell hergestellt werden; Frustrationserlebnisse von Außenseiterrollen konnten so weitestgehend vermieden werden. Die Arbeitsteilung entwickelte sich horizontal auf einer Ebene, statt hierarchisch. So konnten sich die Mädchen ungezwungen in allen Bereichen ausprobieren. Galt keine Aufgabe als besonders wichtig, musste sie auch niemand verteidigen und an sich reißen und alle konnten ohne Versagensangst alles mal ausprobieren und sich dann ohne deprimierende Versagenserfahrungen wieder dem widmen, was ihnen besonders lag und gleichsam Anerkennung genoss...

2. dass zahlreiche Zwischenergebnisse entstanden sind, die als greifbare und vorzeigbare ‚Spuren' Befriedigung verschaffen und zu weiterem Engagement motivieren konnten: Oben wurde angeregt, dass sozialpädagogische Interventionen möglichst ‚Spuren' hinterlassen sollen; sichtbare, möglichst anfassbare Ergebnisse, die den (Zwischen-) Erfolg dokumentieren. Die Spuren sollen die Beteiligten daran erinnern, was sie können, welch Spaß sie dabei gehabt haben, wie stolz sie gewesen sind, wie stolz sich auch das soziale Umfeld zeigte... Letztendlich sollen Klienten stets an ihre Erfolge erinnert und so ermutigt werden, bei Bedarf die Kompetenzen zu reaktivieren, um sich neuen Herausforderungen zu stellen und sie zu bewältigen. In längeren sozialpädagogischen Prozessen gilt dies gleichermaßen für die Zwischenergebnisse. Nach 1,5 Jahren hatten alle zur Erinnerung einen Mädchenstadtplan, einen Mädchenstadtteilführer, ein Videofilm über die Mädchenkonferenz, zwei Filmbeiträgen im kommunalen Fernsehen, eine Pressemappe... Alles möglichst nett aufbereitet, feierlich verteilt oder druckfrisch den Eltern und Großeltern präsentiert, verstärkt den Erfolg und hilft, „Durststrecken zu überwinden". Die Sozialpädagoginnen schöpfen aus diesen Spuren gleichermaßen Kraft für kommende Beteiligungsprozesse. Solche Freuden braucht man kontinuierlich und sind schon zum Auftakt unerlässlich. Beim Erstkontakt war die Kamera gleich dabei und mit frischem!! Akku ausgestattet, die Technik erfolgreich ausprobiert, musste sie sofort als Attraktion zur Verfügung stehen, wichtig ist natürlich auch ein Display, wo man sofort sich am Ergebnis erfreuen konnte. Vielleicht bekommen alle zum Auftakt ein nettes kleines (Forscherinnen-) Tagebuch, wo vorne ein gemeinsam noch zu entwickelndes Logo draufgeklebt wird und hinten ein Gruppenfoto. Man bringt natürlich gleich einen Fotoapparat mit, der macht selbstverständlich Sofortbilder... Es wäre schade, wenn man am falschen Ende sparen würde! (Scheinbar unwichtige Filmsequenzen nicht für alle kopiert oder normale Fotos statt Sofortbilder machen, dafür aber den Spaß zu verzögern, das Ergebnis gleich anzusehen)...

3. dass die Mädchen verinnerlicht haben, dass es sich bei dem Projekt nicht nur um ein Partizipations-Planspiel handelt, sondern sie Teil eines realpolitischen Prozesses sind, der ihnen reale Verbesserungen verschafft: In der Schule wird manchmal Bürgerbeteiligung im Planspiel gespielt oder man kann sich ‚Schließen eines Schwimmbads' als Feld bei Monopoly vorstellen; den Mädchen wurde schnell klargemacht, dass es sich jedoch um Realität handelt. Deshalb wurden bewusst spielerische Elemente auf ein Minimum reduziert. Natürlich durfte viel gelacht werden und zwischenzeitlich spielerisch der Umgang mit Technik geprobt werden...; Motivation wurde aber weniger durch Spaß hergestellt, sondern v.a. über den Realitätsgehalt; der Kontakt zur Presse, die Besuche in Redaktionsräume, die Moderation der Konferenz... wurden nicht simuliert. Im Grafikbüro wurde ein professionelles Design erarbeitet, der Druck dann mit realem Geld aus der Projektkasse bezahlt, die transparent geführt und gemeinsam abgerechnet wurde...; auch die Option Rückschläge zu erleiden wurde real durchlitten...

4. dass die Leiterinnen selber eine große Motivation zeigten: Will man derartige Beteiligungsprozesse realisieren, muss die Teilnahme über die gesamte Dauer hinweg, mit einer Attraktivität und Motivation verbunden sein, die letztendlich von den Leiterinnen persönlich vorgelebt werden muss. Die Art und Weise, wie man mit seiner eigenen Motivation andere ansteckt, wie man erreicht, dass auf ‚Durststrecken' nicht alle frustriert übereinander herfallen, ist v.a. eine Frage des persönlichen Leitungsstils. Ältere Kollegen, die seit jahrzehnten Jugendarbeit machen, hören es oft nicht gern; aber es ist sinnvoll in Jugendgruppen, selber jung zu sein...

5. dass v.a. die Leiterinnen den Mädchen mit einer partnerschaftlichen akzeptierenden Haltung gegenübergetreten sind: Für die Mädchen war es sicherlich ein motivierender Faktor (wahrscheinlich) erstmals konsequent wie junge Erwachsene angesprochen und ernst genommen zu werden. Der zurückhaltende, offene, und partnerschaftliche Führungs-/Arbeitstil der Leiterinnen hat viel Raum für Phantasie, Kreativität und Eigeninitiative gegeben. Nach der bisherigen Lebenserfahrung, wenig ernst genommen worden zu sein, mussten die Teilnehmerinnen zu Beginn v.a. erst einmal davon überzeugt werden, dass es wirklich ernst gemeint war, sie ernst zu nehmen. Um so stärker waren sie hinterher interessiert, die zugeschriebenen Rollen der ‚jungen Frauen', sowie der ‚Expertinnen' ihrer Lebenslage und ihres Stadtteils souverän auszufüllen. Dies erschien ihnen nun auch schlüssig, schließlich geht es um ihren Stadtteil, ihre Altersgruppe und um die Verbesserung ihrer Lebensqualität. Sehr sensibel wurde darauf geachtet, dass sie schriftlich eingeladen werden, einen eigenen, richtigen, ‚offiziellen' Brief im Briefkasten finden, dass sie auf der Konferenz richtige Namensschilder auf ihrem Tisch hatten neben dem Glas und der kleinen Seltersflasche... Das professionelle Design wurde -wie üblich- im Briefkopf, auf Plakaten und Flyern identitätsschärfend wiederverwendet und markierte die Zugehörigkeit zur Gruppe; jedoch gelang es den Leiterinnen ohne eine sonst in jugendlichen Gruppen üblich gekoppelte Polarisierung in gut und böse auszukommen. Die Gruppe wurde weder durch Emotionalisierung des Verhältnisses zu ‚den Jungs' noch gegenüber ‚den Erwachsenen' oder ‚den Politiker'... zusammengehalten und motiviert. Selbst auf der Mädchenkonferenz blieben die Leiterinnen im Hintergrund und es war nicht deutlich wer über das couragierte Auftreten der jungen Frauen mehr überrascht war; sie selber oder die geladenen erwachsenen Gäste...





Erinnern wir uns an die intendierten Nebeneffekte (s.o.) macht es Sinn, sich zu vergegenwärtigen welche Kompetenzen die Mädchen gewinnen konnten. Kompetenzen die ihnen nun für ihr weiteres Leben als Ressource zur Lebensbewältigung nachhaltig zur Verfügung stehen. Da die sekundären Lerneffekte im unmittelbaren praktischen Zusammenhang mit der Realisierung des Gesamtprojektes mobilisiert wurden, sie damit quasi die Sinnhaftigkeit der mobilisierten Ressourcen direkt unter Beweis stellen konnten, werden sie den Erfolg stärker internalisieren als bsp. im schulischen Kontext ohne Praxisbezug oder auf Diskussionsveranstaltungen zu ‚Möglichkeiten und Grenzen außerparlamentarischen politischen Engagements' oder zu ‚Zusammenwirken von Politik und Verwaltung in einem Stadtstaat'... Da sie nun praktisch eine Vorstellung über solche Themen haben erwerben können, gewinnt das Projekt auch i.S. außerschulischer Jugendbildung eine zentrale Bedeutung. Die Erkenntnisse über lokalpolitische Begebenheiten, die Rolle von Medien und Aspekten sozialer Bewegungen flankiert von der Entwicklung von Phantasie, Kreativität, technischer, sozialer und kultureller Kompetenz, sowie Selbstbewusstsein, rechtfertigt, ein Modellprojekt von ‚Empowerment' zu identifizieren. Von Empowerment kann nur gesprochen werden, wenn man sich selber bewusst wird, wo, wie und warum man relativ ohnmächtig ist, wenn man gemeinsam beschließt, diese Ohnmacht zu überwinden und man nicht nur für dieses eine Projekt, sondern für das ganze Leben lernt, wie man diesem Ziel näher kommt; als Mädchen, als Frau, als Bewohnerin eines benachteiligten Quartiers, als angestellte Erwerbstätige... Hier unterscheidet sich das Projekt positiv von jenen, wo bsp. die Baubehörde den Plan einer Freifläche vorlegt, festgelegt hat, wo einen Spielplatz entstehen soll und nun die Schule fragt, ob man eine Zukunftswerkstatt machen möchte um die Positionierung der Spielgeräte zu bestimmen... Eingeordnet in die Kategorien des ‚sozialen Kapitals' und ‚kulturellen Kapitals' sind gleichsam sekundäre Lerneffekte erzielt worden, die unmittelbar benannt nur wenig attraktiv geklungen hätten:

Soziales Kapital:

  • Die Mädchen haben die Erfahrungen gemacht, dass es sich lohnt, nachrangige Differenzen mit anderen beiseite zu legen, um gemeinsame Interessen zu realisieren und durchzusetzen. Ihnen ist deutlich geworden, dass man große Dinge bewegen kann, wenn man zusammenhält und sie größer sein können, als man je gedacht hätte, geschweige denn jemals allein erreichen könnte.
  • Sie haben gelernt, arbeitsteilig solidarisch zusammenzuarbeiten, Kompetenzen anderer mit weniger Neid zu schätzen und Identifikation bezüglich einer gemeinsamen Idee positiv aufzubauen, statt über Ausgrenzung von Mitgliedern oder Abgrenzung gegenüber Nichtmitgliedern.
  • (...)

Kulturelles Kapital:

  • Die Mädchen haben praxisnah Einblicke und in geringfügigem Maße sogar Berufserfahrung erwerben können. Wie sonst üblicherweise in Berufspraktika haben sie sich ausprobieren können als Kamerafrau, Reporterin, Nachrichtensprecherin, Moderatorin Quartiersmanagerin, Grafikerin, Politikerin... und natürlich auch selbst als Sozialpädagogin.
  • Die Mädchen haben (im teilgeschützten Rahmen) lernen können, sich in verschiedenen Erwachsenenrollen zu bewegen und sich als ‚Erwachsene' gegenüber anderen Erwachsenenrollen zu behaupten. Dabei haben sie -nicht zuletzt vor laufenden Fernsehkameras- in hohem Maße Selbstbewusstsein erwerben können, was ihnen -nun in ihr Ressourcenrepertoire eingegangen- fortan zur erfolgreichen Lebensbewältigung zur Verfügung steht.
  • Die Mädchen haben gelernt, wie man zur Erreichung seiner Ziele Fremdressourcen entdeckt und nutzt.
  • (...)

Die Kolleginnen Sander und Kägeler formulieren, dass Beteiligung keine Alltagsfliege sein soll: Das bedeutet zum einen, dass Politik die Möglichkeiten zur außerparlamentarischen Beteiligung schaffen und ausweiten muss, zum anderen heißt es natürlich auch, dass Menschen positive Erfahrungen gemacht haben müssen, um sich erneut in Beteiligungsprojekten zu engagieren. Daraus entsteht ein Erfolgsdruck für die Sozialpädagogen, den ich abschließend noch mal herausstellen muss! Wenn ein solch ambitioniertes Projekt 1,5 Jahre dauert und scheitert, ist der angerichtete Flurschaden natürlich immens und die Bereitschaft, es ein weiteres mal zu versuchen tendiert gegen Null. Wir sollten uns daher nie überschätzen, realistische Ziele suchen und auch nur solche übernehmen, die den Beteiligten nachhaltig nutzen, statt als Feigenblatt für eine inhumane Stadtplanung funktionalisiert zu werden oder gar oppositionellen Bewegungen mit unserer sozialpädagogischen Gruppen- oder Stadtteilarbeit das Wasser abzugraben... Je länger ein Beteiligungsprojekt läuft, desto wichtiger wird es, sich im Vorwege der Realisierungschancen zu vergewissern!







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